Ganz im Sinne des transdisziplinären Forschungsansatzes von ELEVATE brachte die Veranstaltungsreihe aus dem assoziierten Projekt „U-Space Berlin“ erneut Akteur*innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Praxis und Stadtgesellschaft zusammen. Unter dem Titel „Die Berliner Luft“ standen im Bauhaus Reuse (BHROX) auf dem Berliner Ernst-Reuter-Platz dieses Mal gemeinsame Leit- und Zielbilder für den Stadtraum der Zukunft im Mittelpunkt. Rund 30 Bürger:innen und Expert:innen folgten der Einladung des Teams der TU Berlin um Dr. Tobias Biehle, Simon Wöhr und Gideon Nebelsick.
Nach einem einleitenden Rückblick durch Dr. Tobias Biehle und Simon Wöhr auf die Erkenntnisse aus den bisherigen Symposien „Vom Fliegen und Fliehen“ sowie „Stadt unter Drohnen“ mit Expert:innenpanels trat diesesmal der direkte Austausch in den Vordergrund: An drei thematischen Tischen arbeiteten die Teilnehmenden im World-Café-Format an konkreten Positionen, Sorgen und Visionen.

Urbane Logistik, Verkehrsleitung und Freiräume
In der ersten Session, moderiert von Simon Wöhr, standen Logistik und Verkehrsleitplanung im Fokus. Die Runde plädierte dafür, dass Stadtplanung künftig in „Kubikmetern“ statt in „Quadratmetern“ denken müsse. Um Potenziale fundiert zu erproben, sollten Reallabore wie U-Space Berlin oder ELEVATE ausreichende Freiräume ohne vorschnelle Überregulierung bieten. Konsens bestand darin, dass Drohnen zu einer echten Entlastung des Straßenverkehrs beitragen müssen und die Ausweisung künftiger Flugkorridore unter aktiver Beteiligung der Berliner Bevölkerung erfolgen sollte.

Datenerfassung, Transparenz und Vertrauen
Die zweite Session unter der Leitung von Dr. Tobias Biehle widmete sich der Datenerfassung durch Drohnen sowie Fragen von Sicherheit und Kontrolle. Diskutiert wurde die Konfliktlinie zwischen privaten Betreiberinteressen und dem Transparenzbedürfnis der Öffentlichkeit bezüglich Einsatzzwecken und Datenverarbeitung (DSGVO). Als Lösungsansatz wurde die Einrichtung einer neutralen Instanz zur Hinterlegung von Betriebsdaten und für Bürgerauskünfte erörtert. Zudem wurden Auflagen des Berliner Senats gefordert, um sicherzustellen, dass gewonnene Daten auch dem Gemeinwohl und der Stadtverwaltung zugutekommen.

Alltagsvisionen 2036 und gesellschaftlicher Mehrwert
An Tisch 3, geleitet von Gideon Nebelsick, brachten die Gäste in Form von Skizzen, Kurzgeschichten und Kartierungen ihre persönlichen Visionen für das Jahr 2036 ein. Ein zentrales Anliegen war der Schutz des Luftraums vor visueller und akustischer Reizüberflutung. Während Konzepte wie Flugtaxis auf Skepsis stießen, wurden Nützlichkeiten im Notfallrettungswesen, beim Umweltschutz oder in der regionalen Versorgung durchweg positiv bewertet.

Wichtige Impulse für die Forschung von ELEVATE
Zum Abschluss des Abends verdichteten sich die Diskussionen in der Formulierung persönlicher Leitgedanken und den Konturen eines zivilgesellschaftlich geprägten Prinzipienkatalogs. Dieser fordert unter anderem Sicherheitsauflagen analog zum Straßenverkehr (wie einen Drohnen-TÜV), einen strikten Schutz der Privatsphäre sowie eine diversere, nicht rein technokratisch geprägte Debattenkultur.
Für ELEVATE bilden die Ergebnisse aller drei Symposien das Fundament für die nächsten Schritte: Das erarbeitete Material fließt nun in den Entwurf eines Whitepapers für einen gemeinwohlorientierten Luftraum über Berlin ein. Dieses wird im Anschluss von den über 100 Teilnehmenden der Reihe begutachtet und weiterentwickelt, um der Berliner Verwaltung und Politik fundierte Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben.
Alle Infos zur Symposiumsreihe Luftraum Stadt finden sich hier.
