Die Forschungsgruppe

„ELEVATE“

Was will das Projekt erreichen und wer steckt hinter dem Vorhaben? Infos zu ELEVATE
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Hintergrund und Ziele

Prognosen der Europäischen Kommission deuten darauf hin, dass die Zahl der in Europa kommerziell betriebenen Drohnen bis 2030 von derzeit etwa 100.000 auf bis zu 800.000 ansteigen wird. Die durch Drohnen erschlossenen Einsatzfelder – insbesondere in den Bereichen Sensorik/Inspektion sowie Liefer- und Personenverkehr – lassen damit den unteren Luftraum immer mehr zu einer öffentlichen Ressource reifen, die folglich in den Stand einer gesellschaftspolitischen Gestaltungsaufgabe rückt. Die Nutzbarmachung des unteren Luftraums für Verkehrszwecke – gemeinhin bezeichnet als Advanced Air Mobility (AAM) oder Innovative Air Mobility (IAM) – wird von weitreichenden Aspirationen angetrieben. Sie reichen von der Erzielung enormer betrieblicher und emissionsbezogener Effizienz- und Einsparpotentiale, über die Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens bis hin zur Beschleunigung der Verkehrswende durch Substitutions- und Entlastungseffekte. Diesen erhofften wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwerten stehen jedoch negative Technikfolgen (bspw. Lärmemissionen, Sicherheit, Rebound-Effekte, Effekte auf Siedlungsstrukturen) gegenüber, die zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vollends bemessen werden können. Zudem herrscht in der Bevölkerung Skepsis gegenüber einer ausgedehnten Drohnennutzung, was auch auf eine fehlende gesellschaftspolitische Debatte zu den sozialen und ökologischen Mehrwerten von skalierten Drohnenverkehren/ -Anwendungen zurückzuführen ist.

Vor diesem Hintergrund besteht ein dringender gesellschaftlicher Bedarf darin, forschungsgestütztes Orientierungswissen und Entscheidungsgrundlagen für die Entwicklung politischer, regulatorischer und (verkehrs)planerischer Rahmenwerke und Leitlinien zur Luftraumnutzung bereitzustellen, die sich dezidiert am Grundsatz einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten. Zum anderen besteht ein Bedarf darin, der Öffentlichkeit Kommunikationsangebote und Beteiligungsmöglichkeiten im Kontext des Drohneneinsatzes aufzuzeigen, um die bevorstehende Luftraumerschließung auf eine gesellschaftlich legitimierte Basis zu stellen sowie kommunale Akteure stärker in die Entwicklung und Planung lokaler Drohnenanwendungen einzubinden.

Ziel der Nachwuchsgruppe ELEVATE ist es daher zu erforschen, wie der Einsatz innovativer Luftfahrtanwendungen im Bereich des Verkehrswesens unter sozial-ökologischen Gesichtspunkten bewertet, gesellschaftlich legitimiert und nachhaltig gestaltet werden kann. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der exemplarischen Untersuchung zunehmend automatisierter und skalierbarer, drohnengestützter Logistikanwendungen als Medium nachhaltiger Stadt- und Stadt-Umland-Verkehre. Getragen von der Ausgangsthese eines in den kommenden Jahren noch geöffneten Zeitfensters für sozial-ökologische Rahmensetzungen zur verkehrlichen Luftraumnutzung durch Drohnen, widmet sich die Nachwuchsgruppe dazu drei leitenden Forschungsfragen:

  • Wie können mithilfe Unbemannter Luftfahrtsysteme Stadt-Umland-Beziehungen verbessert bzw. bestehende (infrastrukturelle) Defizite und Versorgungslücken reduziert werden?
  • Welche Formate, Prozesse und Methoden der Bürgerbeteiligung müssten im Kontext der zukünftigen Luftraumnutzung etabliert werden, um diese auf eine gesellschaftlich legitimierte Basis zu stellen?
  • Welche ökonomisch, ökologisch nachhaltigen und sozial legitimierten Szenarien des verkehrlichen Drohneneinsatzes sollten im Stadt- und Stadt-Umland-Kontext zukünftig verfolgt werden (und welche nicht)?

Zur Beantwortung dieser Fragestellungen verschränkt ELEVATE unter der Leitung von Dr. Robin Kellermann ein interdisziplinäres Forschungsprogramm aus sozial-, technik- und ingenieurswissenschaftlichen Perspektiven mit der transdisziplinären Einbindung eines breiten Netzwerks von Kooperations- und Praxispartnern aus Wirtschaft und Verwaltung der grenzüberschreitenden Metropolregion Berlin-Brandenburg, die mit einer Reihe dort gegenwärtig begonnener und entstehender Modellvorhaben zum Einsatz von Lieferdrohnen als labor- und realexperimenteller Versuchsraum betrachtet wird.

Interdisziplinäres Arbeitsprogramm der Forschungsgruppe ELEVATE

Angesichts einer in Deutschland aktuell und zukünftig wachsenden Bedeutung von Drohnenanwendungen und der getroffenen (verkehrs)politischen Richtungsentscheidung zur Etablierung von Drohnen als neue Verkehrsträger macht sich ELEVATE zur Aufgabe, den unteren Luftraum als neuentstehendes Wirkungsfeld mithilfe inter- und transdisziplinärer Forschungsperspektiven zu erschließen. Damit soll zum einen die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Gestaltungsaufgabe der Luftraumerschließung unter sozial-ökologischen Gesichtspunkten qualifiziert werden. Zum anderen soll hiermit die bislang fehlende Begründung der Luftraumerschließung als inter- und transdisziplinärer Forschungsgegenstand geleistet werden, um damit die Frage der öffentlichen Luftraumnutzung dauerhaft innerhalb der transdisziplinären Nachhaltigkeits- und Mobilitätsforschung zu etablieren.

Die Verbundpartner

ELEVATE vereinigt ein sechsköpfiges Forschungsteam bestehend aus dem Verbund zwischen der TU Berlin (Fachgebiet Arbeitslehre/ Technik und Partizipation, Cluster Mobilitätsforschung) und dem Berliner nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung.

Technische Universität Berlin: Fachgebiet Arbeitslehre, Technik und Partizipation (in Gründung: Fachgebiet Mobilitätswende und integrierte Luftraumnutzung)

Im Zentrum der Forschungsaktivitäten des Fachgebiets Arbeitslehre/Technik und Partizipation steht die Erforschung der Wechselwirkungen von Technik und Arbeitswelten mittels drei methodischer Zugriffe. Der Bereich „Technik und Wandel“ untersucht in einer diachronischen Perspektive die Geschichte und Zukunft der Technik. Der Bereich „Technik und Wissen“ fragt nach dem Technikverständnis der handelnden Akteure und entwickelt neue Formen der technischen Bildung. Der Bereich „Technik und Beteiligung“ erforscht Werkzeuge der partizipativen Technikentwicklung, des design thinking und der Öffentlichkeitsbeteiligung an der Technik.

Ein zentraler thematischer Fokus für diese drei methodischen Zugriffe am Fachgebiet sind die Themen Verkehr und Mobilität und – allgemeiner – Infrastrukturen. In anwendungsorientierten Projekten werden neue Lösungen für die Befriedigung von Bedarfen, die sich im Wunsch nach (mehr) Mobilität ausdrücken, gesucht. Dabei werden insbesondere Methoden der Bürgerbeteiligung, der Szenarien- und Leitbildentwicklung, der Konstellationsanalyse und der historischen Vergleichsanalyse genutzt.

nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung

nexus konzipiert und moderiert partizipative Verfahren: von komplexen Bürgerbeteiligungsprojekten bis zu Multi-Stakeholder-Formaten. Wir gestalten Entscheidungsprozesse gemeinsam mit den Beteiligten und setzen dabei auf transparente Kommunikation, aktive Kooperation und nachhaltigen Konsens. nexus erforscht, wie eine aktive Bürgerschaft und die Beteiligung unterschiedlicher Akteure die gesellschaftliche Entwicklung zum Wohle aller verändern kann. Dafür realisieren wir anwendungsorientierte und praxisnahe Forschungsvorhaben. nexus berät Akteure aus Politik und Verwaltung, entwickelt Konzepte und Strategien und evaluiert Prozesse und Programme. Wir optimieren zivilgesellschaftliche Infrastrukturen und Dienste durch individuelle Lösungen. Grundlage dafür sind umfassende Bedarfsanalysen.

nexus arbeitet inter- und transdisziplinär, sowohl lokal, national als auch international zu den Themen Demokratie und Partizipation, Nachhaltigkeit, Regionalentwicklung, Digitalisierung und Gesundheit. In ELEVATE bringen wir diese Kompetenz für die Erforschung von sozial-ökologischen Lieferdrohnenanwendungen im Stadt-Umlandverkehre ein.

Das Team

Dr. Robin Kellermann (Gruppenleitung, TU Berlin)

…ist promovierter Mobilitätsforscher und verfügt über eine 10-jährige Projekt-, Forschungs- und Lehrerfahrung im Themenfeld Mobilität & Verkehr. Seine Kernkompetenzen liegen in der sozialwissenschaftlichen Forschung, der Technikfolgenabschätzung und der Politikberatung. Seine Expertise im Bereich der unbemannten Luftfahrt entwickelte er insbesondere durch die Leitung der Projekte „Sky Limits“ und „Stadt-Land-Drohne„.

Dr. Tobias Biehle (Stellvertretende Gruppenleitung, nexus)

…ist ausgebildeter Soziologe mit Erfahrungen in der interdisziplinären Risiko- und Innovationsforschung. Im Rahmen seines Promotionsvorhaben „Planning Urban Air Mobility for Citizens“ untersuchte Herr Biehle planerische Lösungen für die gezielte Berücksichtigung gesellschaftlicher Interessen in der Erschließung des urbanen Luftraums für zivile Drohnenanwendungen.

Niklas Wolfrum (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, TU Berlin)

…ist Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt auf datengetriebener Analyse und Optimierung komplexer Systeme. Seine fachlichen Kompetenzen liegen insbesondere im Bereich Operations Research, angewandte Datenanalyse sowie der Entwicklung und Implementierung quantitativer Modelle zur Entscheidungsunterstützung.

Merle Dreessen (Studentische Hilfskraft, nexus)

N.N. (Studentische Hilfskraft, TU Berlin)

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