26.08.2026
Ganz im Sinne des transdisziplinären Forschungsansatzes von ELEVATE stand kürzlich ein äußerst spannender Wissens- und Erfahrungsaustausch im einer Chinesischen Delegation des Zhejiang Development & Planning Institute (ZDPI) auf der Agenda. Als zentrales staatliches Forschungsinstitut und Beratungsorgan der ostchinesischen Provinz Zhejiang nimmt das ZDPI eine Schlüsselrolle bei der strategischen Ausgestaltung, Wirtschaftsplanung und räumlichen Entwicklungssteuerung der dortigen „Low-Altitude Economy“ (Niedrigflug-Ökonomie) ein. Mit ausgewiesenen Pilotzonen für unbemannte Luftfahrtsysteme gehört die Provinz Zhejiang zu den weltweiten Vorreitern bei der Integration von Lieferdrohnen und urbaner Luftfahrt. Ziel des zweistündigen Fachgespräch mit dem ELEVATE-Team war es, Anwendungsfelder, Herausforderungen und Steuerungsmethoden im internationalen Vergleich zu beleuchten.

Vergleich der Logistiksektoren und dynamische Planungshorizonte
Im Zentrum des Austauschs stand der Vergleich der Logistiksektoren in Deutschland und China sowie die Frage, welchen konkreten Mehrwert Lieferdrohnen in bestehenden Lieferketten schaffen können. Spannende Einblicke wurden geteilt hinsichtlich der Ansätze der Volksrepublik, durch die Erschließung des unteren Luftraums als Logistikraum messbaren wirtschaftlichen Impact zu generieren. Deutlich wurde das u.a. an den Planungshorizonten: während für klassische Verkehrsträger wie die Eisenbahn in Perspektiven von 20 Jahren geplant wird, gilt im Drohnensektor ein komprimierter Planungshorizont von fünf Jahren – mit konkreten Umsetzungszyklen von lediglich drei Jahren.
China setzt dabei auf eine ausgeprägt praxis- und problemfeldorientierte Entwicklung („demand-driven development“): Lösungen werden lokal für konkrete Herausforderungen entwickelt – etwa zur Erhöhung der Sicherheit auf Universitätscampussen oder zur Optimierung der landwirtschaftlichen Nutzung, die dort bereits etabliert ist und kontinuierlich wissenschaftlich weiterentwickelt wird. Einmal erprobte Lösungsansätze werden anschließend zügig skaliert und breiter zugänglich gemacht. Ergänzend zur marktorientierten Dynamik basiert die Entwicklung in China auf einer nationalen Rahmenplanung: Die Regierung gibt hierzu vier übergeordnete Kategorien sowie zehn spezifische Anwendungsszenarien vor.
Strategische Rahmung, Sicherheit und Geschäftsmodelle
Die chinesische Delegation nutzte das Treffen für detaillierte Nachfragen zu den Expertenmeinungen von ELEVATE bezüglich technischer Reife, Flugsicherheit, Geschäftsmodellen sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz in der Bevölkerung.
Im Gegenzug wurden die zentralen Spannungsfelder beleuchtet, mit denen sich die chinesischen Planungsbehörden konfrontiert sehen. Neben der Betriebssicherheit und der Gefahrenabwehr – die als komplexeste Herausforderungen eingestuft werden – stehen die parallele Anbindung und der Ausbau des 5G-Mobilfunkstandard, die Koexistenz mit dem militärischen Flugbetrieb sowie der Schutz der Privatsphäre, Datensicherheit und Unfallprävention im Fokus der aktuellen Problemlösung.
Wichtige Impulse für die Forschung von ELEVATE
Für ELEVATE bot der Besuch wertvolle Einblicke in die Steuerungslogiken und Umsetzungsgeschwindigkeiten einer der global führenden Modellregionen für unbemannte Mobilität. Der transkontinentale Dialog verdeutlichte prägnante Unterschiede in der Ansatzweise: Während in China die zügige Skalierung entlang staatlicher Szenarien und starker Marktnachfrage im Vordergrund steht, legt ELEVATE den Fokus auf partizipative Einbindung der Zivilgesellschaft, gemeinwohlorientierte Kriterien und eine nachhaltige Regulierung im europäischen Stadtraum. Die Erkenntnisse aus dem Gespräch bereichern die wissenschaftliche Arbeit von ELEVATE an tragfähigen Leitbildern für die Zukunft des urbanen Luftraums.

Außeinander ging das Team mit dem Delegation mit dem beidseitig bekundeten Interesse, sich um eine weitere Zusammenarbeit zu bemühen. Das Institut arbeitet bereits seit vielen Jahren eng mit dem Smart Verkehrslabor der Zhejiang-Universität zusammen. Ein Besuch des Labors sei „der ideal Ort, sich auszutauschen und Möglichkeiten für eine gemeinsame Kooperation zu besprechen.“
Weiter reiste die Delegation nach Hamburg, wo Sie in den Austausch mit der UAM-Modellregion als auch mit Vertretern des Bundesministerium für Verkehr treten konnte.
